Füllungen

Ziel aller zahnmedizinischen Behandlungsmethoden ist der Erhalt der noch vorhandenen Zahnsubstanz. In zweiter Linie sollen Funktionalität und Ästhetik wiederhergestellt werden. Zahnfüllungen dienen der Wiederherstellung von kariesbefallenen Zähnen sowie von teilweise zerstörten Zahnkronen. Damit eine Füllung an der Zahnhartsubstanz hält, wird entweder der Zahn mit dem Bohrer so präpariert, dass die Füllung nicht herausfallen kann (Amalgam), oder man verwendet ein Material, welches an der Zahnsubstanz klebt (Komposite). Je nach Art und Lage des Schadens  – Frontzahn, Seitenzahn, Zahnhals oder Kaufläche – stehen dem Zahnarzt unterschiedliche Materialien für die Wiederherstellung  zur Verfügung. Bezüglich Eigenschaften und Anwendungsmöglichkeiten bestehen zwischen den Füllungsmaterialien teilweise erhebliche Unterschiede. Eine exakte Diagnose und eine genaue Einschätzung der jeweiligen Vor- und Nachteile ist deshalb unentbehrlich. 


Kunststoffe (Komposite)

Komposite sind im Wesentlichen ein Gemisch aus verschiedenen Kunstharzen (Acrylaten) und kleinen Füllkörpern aus Quarz, Gläsern und keramischen Werkstoffen mit Durchmessern von 2 nm bis 10'000 nm, welche bis zu 85 % des Gesamtgewichtes ausmachen können. Zahnärztliche Komposite sind das universelle Füllungsmaterial. Während Komposit-Füllungsmaterialien schon seit vielen Jahren im Frontzahnbereich erfolgreich eingesetzt wurden, lassen sie sich seit einigen Jahren auch im Seitenzahnbereich erfolgreich anwenden. Ermöglicht wurde dies durch eine konsequente Weiterentwicklung der Komposite selber, aber auch der für eine erfolgreiche Verarbeitung notwendigen Adhäsivsysteme (für den Klebeverbund verwendete Materialien = Dentinhaftvermittler), mit deren Hilfe Komposite mit den Zahnhartsubstanzen verklebt werden müssen. Aus diesem Grund wird die Füllungstherapie mit Kompositen auch als „adhäsive Füllungstherapie“ bezeichnet.

Komposite sind zunächst plastisch (weich), so dass sie mit geeigneten kleinen Instrumenten in Zahnkavitäten (Zahnhohlräume) eingebracht werden können. Erst danach werden sie mit Blaulicht ausgehärtet und bekommen zahnähnliche Eigenschaften. Komposite müssen mit der Zahnhartsubstanz verklebt werden, damit die Füllung nicht herausfällt, kein Randspalt zurückbleibt und der gefüllte Zahn eine hohe Festigkeit behält.

Die für den Haftverbund zwischen dem Komposit-Füllungsmaterial und der Zahnhartsubstanz zuständigen Adhäsivsysteme werden vor Einbringen des Komposits auf die Zahnhartsubstanzen aufgetragen. Es gibt hier verschiedene Systeme, die in der Handhabung etwas variieren. Gemeinsam ist allen Adhäsivsystemen, dass sie die hydrophile („wasserliebende“), wasserhaltige Zahnhartsubstanz (Dentin und Schmelz) mit dem hydrophoben („wasserfürchtenden“), wasserfreien Komposit verbinden.

Aufgrund der vielen für das Verkleben von Komposit mit der Zahnhartsubstanz notwendigen Schritte ist die Verarbeitung von Kompositfüllungen technisch und zeitlich aufwändig. Da Komposit und die Adhäsivsysteme während der Verarbeitung feuchtigkeitsempfindlich sind, sind zusätzliche Massnahmen zur Trockenlegung des Arbeitsfeldes erforderlich.

Der Vorteil des Gebrauchs von Kompositmaterialien für die Füllung von Zahnkavitäten gegenüber anderen Materialien (z.B. Amalgam oder Keramik) liegt darin, dass Komposit unabhängig von der Kavitätenform verarbeitbar ist. Dies heisst konkret, dass für die Verarbeitung von Kompositmaterialien praktisch keine gesunde Zahnhartsubstanz entfernt werden muss. Auch lassen sich mit Komposit kleinste Defekte füllen, ohne dass sie zusätzlich vergrössert werden müssen.

Während Kompositmaterialien früherer Generationen einen hohen Verschleiss bei Kaubelastung zeigten, spielt der Verschleiss bei modernen Kompositen (Nano-Hybrid-Komposite) keine grosse Rolle mehr.

Ein grosser Vorteil von Kompositmaterialien ist die erzielbare Ästhetik, die in vielen Fällen an die laborgefertigten keramischen Restaurationen heranreicht. Auch lassen sich mit Komposit ästhetische Zahnkorrekturen, wie zum Beispiel Zahnverbreiterungen, herstellen, ohne dass wertvolle gesunde Zahnhartsubstanz abgetragen werden muss.

Sollte eine Kompositfüllung nach einigen Jahren der Belastung im Mund einen lokalen Defekt aufweisen, kann dieser häufig lokal repariert werden, ohne dass die gesamte Restauration entfernt und neu angefertigt werden muss.

Einen Nachteil, den auch moderne Komposite noch aufweisen, stellt die Schrumpfung des Materials während der Aushärtung („Polymerisationsschrumpfung“) dar, die bei modernen Materialen noch zwischen 1–3 Prozenten ihres Volumens liegt. Daher werden Kompositmaterialien in der Regel in kleinen Portionen in die Zahnkavität eingebracht, die dann einzeln ausgehärtet werden. Hierdurch lassen sich die durch die Schrumpfung bedingten Spannungen im Material und am Füllungsrand minimieren.

Wie gegenüber allen Fremdmaterialien können auch gegenüber Bestandteilen von Kompositfüllungen allergische Kontaktreaktionen auftreten. Diese sind allerdings ähnlich selten zu beobachten wie Allergien gegenüber Goldlegierungen oder Amalgam.

Welches Füllungsmaterial und welche Restaurationsart die „beste“ ist, lässt sich jeweils nur für den betreffenden Einzelfall beantworten. Allgemein lässt sich aber sagen, dass Komposite insbesondere bei kleineren Defekten im Frontzahnbereich und Seitenzahnbereich heute das Mittel der Wahl sind. Bei mittelgrossen Defekten im Seitenzahnbereich kann auch Amalgam eine gute Alternative zu Komposit darstellen. Bei grossen Defekten im Seitenzahnbereich kann eine Versorgung mit adhäsiv befestigten keramischen Inlays, Overlays und eine Überkronung, im Frontzahnbereich eine Überkronung oder die Verwendung von Keramik-Verblendschalen (Veneers) eine langfristig sichere Alternative sein. 

Aufgrund der Fortschritte der letzten Jahre bieten sich Komposite für eine Vielzahl kleiner und mittelgrosser zahnärztlicher Restaurationen im Front- und Seitenzahnbereich an. Zu den Vorteilen der guten ästhetischen Eigenschaften kommt noch hinzu, dass für die Verarbeitung von Komposit kaum gesunde Zahnhartsubstanz entfernt werden muss und dass Kompositfüllungen sich auch noch nach Jahren reparieren lassen. Die Grenzen der erfolgreichen Verwendung von Komposit liegen dort, wo das Arbeitsfeld sich für die Verarbeitung von Adhäsiv und Komposit nicht zuverlässig trocken halten lässt und bei sehr ausgedehnten Defekten.


Keramik

Die dentale Keramik wird heute immer öfter zur Herstellung von ästhetischem Zahnersatz eingesetzt. Keramik ähnelt optisch der natürlichen Zahnsubstanz, da sie eine hohe Lichtdurchlässigkeit und eine zahnähnliche Farbe hat. Weitere Vorteile der Keramik sind die hohe Festigkeit im Vergleich zu Komposit und die gute biologische Verträglichkeit. Ihre heutigen Einsatzbereiche sind Einlagefüllungen (Inlays), Kuppelfüllungen (Onlays), Teilkronen, Frontzahnschalen bei Verfärbungen oder Formproblemen (Veneers), Kronen und Brücken.

Mit dem Ziel, hohe Ästhetik mit guter Langzeitstabilität zu verbinden, sind inzwischen verschiedene Arten von Keramiken für unterschiedliche Einsatzbereiche entwickelt worden. So werden Silikatkeramiken v.a. im Frontzahn- und Prämolarenbereich eingesetzt, Oxidkeramik wie z.B. Zirkonoxid im Prämolaren- und Molarengebiet. Vor allem die Entwicklung der Hochleistungskeramik Zirkonoxidkeramik ermöglicht heute vollkeramische Kronen und Brücken sogar für das Seitenzahngebiet.



Gold

Gold gilt nach wie vor als eines der besten Füllungsmaterialien. Goldfüllungen sind sehr dauerhaft und gewebefreundlich. Allerdings ist das Edelmetall nicht zahnfarben und eine Goldfüllung wegen der aufwändigen Verarbeitung teuer.

Für das Einfügen einer Gussfüllung, Inlay genannt, muss mehr Zahnsubstanz entfernt werden als bei Amalgamfüllungen. Ein Nachteil, der allerdings ausgeglichen wird durch die Vorteile des Gold-Inlays: hohe Abriebfestigkeit und Kantenstabilität, optimale Gestaltungsmöglichkeit im Zahnzwischenraum und auf der Kaufläche sowie hervorragende Verträglichkeit mit der Mundschleimhaut. Nach erfolgreicher Einprobe im Mund werden Gold-Inlays mit Spezialzement im Zahn befestigt.

Es gibt Fälle, in denen kein anderes Material einen zerstörten Zahn so gut restaurieren kann wie Gold. Gold ist korrosionsbeständig und wird in einem Stück gegossen, kann unter Kaubelastung also nicht brechen. Die Verarbeitung setzt seitens des Zahnarztes höchste Präzision und seitens des Patienten eine tadellose Mundhygiene voraus. Ein kariesaktives Gebiss ist für Goldfüllungen immer ungeeignet



Amalgam

Seit 1818 gelangt Amalgam als Füllungsmaterial zum Einsatz. Vor allem der älteren Generation wurden kariöse Läsionen mit dem silbrig glänzenden Amalgam versorgt. Amalgam hat eine lange Lebensdauer, ist leicht zu verarbeiten und deshalb verhältnismässig kostengünstig. 


Amalgam ist eine intermetallische Verbindung, die zu ca. 50 % aus Silber, Zinn, Zink und Kupfer und zu ca. 50 % aus Quecksilber besteht. Die pulverförmigen Metallpartikel werden in vordosierten Kapseln mit dem flüssigen Quecksilber vermischt. Die daraus entstehende knet- und stopfbare Masse wird in den Zahn eingebracht und erhärtet zu einer festen Substanz. Nach ungefähr zwei Stunden ist die Füllung belastbar. Die Lebensdauer einer korrekt gelegten Amalgamfüllung liegt bei 12 Jahren.

Aufgrund der bei dessen Entfernung auftretenden Quecksilberbelastung verarbeiten wir kein Amalgam mehr.